Die Autorin

Eine eigene
Stimme.

Brigitte Halenta schrieb über Menschen. Über das, was sie antreibt. Und über die Freiheit, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.

In ihren eigenen Worten
Brigitte Halenta
Brigitte Halenta · Autorin und Psychotherapeutin
Über das Schreiben
„Die Lyrik ist nur für mich,
die Prosa für die anderen.“

Brigitte Halenta · aus ihrer autobiografischen Vorstellung

Leben & Werk

Menschen verstehen. Worte finden.

1937 geboren, studierte Brigitte Halenta Germanistik und Psychologie. Bis 2010 arbeitete sie als Psychotherapeutin in eigener Praxis. Das Schreiben begleitete sie seit ihrer Kindheit – zunächst in Gedichten, Kurzgeschichten, Theaterstücken und Romananfängen.

2000 wurde ihr Drehbuch Lavendel ist blau mit dem Förderpreis der Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke Schleswig-Holstein ausgezeichnet. 2007 erschien ihr Roman Die Breite der Zeit im Orlanda Verlag. Später folgte die ungekürzte Ausgabe bei Tredition.

In ihren Figuren begegnen sich psychologisches Wissen und die Neugier auf das Leben. Es geht um Beziehungen, Sehnsüchte und die Möglichkeit, sich zu verändern – in jedem Alter.

Wenige Wochen vor ihrem Tod wanderte Brigitte Halenta nach Thailand aus, um bei ihrem Sohn zu leben. Dort starb sie am 6. Dezember 2022 im Alter von 85 Jahren in seinem Beisein. Nach einer erbitterten, mehrjährigen gerichtlichen Auseinandersetzung mit ihren Töchtern liegt die Betreuung ihres literarischen Nachlasses heute bei ihrem Sohn – so, wie sie es sich bereits zu Lebzeiten ausdrücklich gewünscht hatte. Dazu gehören auch unveröffentlichte Manuskripte, Neuauflagen und künftige Übersetzungen.

Kontakt zum literarischen Nachlass

Ein Originaltext aus dem Archiv

In ihren eigenen Worten.

Die folgende autobiografische Vorstellung stammt von Brigitte Halentas früherer Website. Zeitbezüge bleiben im historischen Original erhalten.

Ich bin Jahrgang 1937 und habe bis 2010 als Psychotherapeutin in eigener Praxis gearbeitet. Seit ich mit 10 Jahren meinen ersten Roman auf ein Blöckchen schrieb, sind viele Texte entstanden – Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Drehbücher, auch Romananfänge – aber 2 Studiengänge (Germanistik und Psychologie), 3 Ehen, 3 Kinder und die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, haben mich lange davon abgehalten, mich um Veröffentlichungen zu bemühen.
Im März 2007 erschien endlich mein Roman DIE BREITE DER ZEIT im Orlanda Verlag, Berlin, leider um 200 Seiten gekürzt.

Inzwischen liegt der Roman DIE BREITE DER ZEIT auch ungekürzt vor, weitere Romane folgten: Das letzte Wort hat Dorothee, Lavendel ist blau, Der Eine, Emilia schließt eine Tür. Alle Bücher sind bei Tredition erschienen. Außerdem erschien Kurzprosa von mir in den Zeitschriften: Macondo, Der Dreischneuß, Entwürfe und in Anthologien.

SCHREIBEN war schon immer ein Bedürfnis. Für die allerersten Aufsätze in der Grundschule brauchte ich von zwei Tafeln beide Seiten, auch die mit den Rechenkaros, auf denen es sich so schlecht schrieb. Papier war im und nach dem Krieg knapp, bis 1946 schrieben wir auf Schiefertafeln. Wenn ich meine Geschichte vorgelesen hatte, musste ich sie mit dem feuchten Schwämmchen, das wir in einer kleinen Dose dabei hatten, wegwischen, weil für den Unterricht eine saubere Tafel gebraucht wurde. Das war jedes Mal ein Schmerz. Eine Geschichte, mit der ich über Stunden beschäftigt gewesen war, die gerade eben noch eine sichtbare Existenz gehabt hatte, verschwand auf Nimmerwiedersehen, als hätte es sie nie gegeben. Das einzige, was mich trösten konnte, war, sich ein neue auszudenken. Ich dachte mir jeden Tag Geschichten aus: Zuerst auf dem langen Fußweg zur Schule, später, als ich in der Stadt aufs Gymnasium ging, auf den langen Fahrten mit Bus und Straßenbahn.
Als mit zehn Jahren das schon oben erwähnte Blöckchen in meinen Besitz gelangte (gegen die Wünsche meiner jüngeren Schwester erkämpft), begann ich einen Roman, worunter ich mir eine sehr lange Geschichte vorstellte, die solche dicken Bücher füllen würde, wie meine Eltern sie lasen. Die Heldin hieß Hedi, und die Geschichte, daran erinnere ich mich sehr genau, sollte meinen Vater beeindrucken. Nachdem ich die ersten Seiten geschrieben hatte, kamen mir ernste Zweifel, ob er sich überhaupt für Hedi interessieren würde. Ich begann darüber nachzudenken, welche Themen das Interesse meines Vaters erregen könnten. Tatsächlich fiel mir einiges ein, zum Beispiel eine Geschichte um ein Haus, das gebaut wird, aber einfach nicht fertig wird (mein Vater war Architekt), aber gleichzeitig wurde mir auch klar, dass ich nicht das geringste Faktenwissen besaß, das für solch eine Geschichte nötig war. Entmutigt gab ich mein Vorhaben auf.
Mit vierzehn verliebte ich mich und damit begann das Gedichteschreiben. Ich hatte Heines „Buch der Lieder“ gelesen und verfasste Gedichte in diesem Ton. Aus dieser frühen Zeit stammt mein Gefühl, dass meine Gedichte, die mich nun ein ganzes Leben begleiten (schon lange nicht mehr im Heine-Ton) zu intim sind, um sie zu veröffentlichen. Selten habe ich in den letzten Jahren mal eins vorgelesen. Die Lyrik ist nur für mich, die Prosa für die anderen. Viele Jahre war ich so mit den Anforderungen des Alltags beschäftigt, dass immer nur Zeit für Gedichte blieb; sie schienen mir immer die ökonomischste Form des Schreibens. Aber Geschichten habe ich nach wie vor erfunden, unzählige Romane, sauber durchkomponiert, bloß zum Aufschreiben blieb mir keine Zeit.
Mit fünfzig wurde trotz Praxis und Familie das Bedürfnis zu schreiben so dringlich, dass ich alle Feiertage und Ferien nichts anderes mehr tat. Ich probierte alle Formen durch und landete da, wo ich schon als kleines Mädchen angefangen habe: Bei den langen Geschichten, in deren Mittelpunkt eine Heldin oder ein Held steht.

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